Face Recognition: Technologie in Wartesituationen bleibt umstritten

von Peter Herbrand

Face Recognition – so heißt eine neue Technologie, die es erlaubt, den Zielgruppen passende Werbespots via spezieller Infodisplays am PoS auszuspielen. Was nach einer Win-win-Situation klingt (weniger Streuverluste, weil der Konsument nicht mit Inhalten bespielt wird, die ihn langweilen), hat sich zu einer emotional geführten Debatte entwickelt. Erste Ergebnisse: Diese Form der Werbung ist mit dem Datenschutz vereinbar, so das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Kunden und Datenschützer laufen trotzdem Sturm. Real.- hat deshalb jetzt in 41 Märkten einen Pilot-Versuch mit der Gesichtserkennung abgebrochen. Mehr Hintergründe in diesem Beitrag.

„Keine, einzelnen Kunden zuordenbare Persönlichkeitsmerkmale gespeichert oder übertragen“

Über die Technologie zur Face Recognition und deren Möglichkeiten für Werbungtreibende haben wir an dieser Stelle bereits im April berichtet. Neben der im Beitrag genannten Deutschen Post setzte seit Herbst 2016 auch die zur Metro Group gehörende real,- SB-Warenhaus GmbH diese Kombination aus Monitor, Kamera und Software ein, um die Werbeeffizienz zu verbessern - bis zum 27. Juni 2017.

In einer Pressemitteilung erklärte der Warenhändler: „Hintergrund dieser Entscheidung ist die in den vergangenen Tagen öffentlich geführte Diskussion, die den Eindruck erweckte, in real,- Märkten würden im Kassenbereich ohne Wissen der Kunden Daten erhoben. Tatsächlich wurden innerhalb des geschlossenen Echion-Systems, auf das real,- keinen Zugriff hat, keine, einzelnen Kunden zuordenbare Persönlichkeitsmerkmale gespeichert oder übertragen.“ Focus Online meldete, dass die erfassten Bilder lediglich 150 Millisekunden zwischengespeichert und dann gelöscht würden.

Die an dem Projekt beteiligten Unternehmen, darunter auch die IDA Indoor Advertising GmbH mit ihrem Face-Recognition-Produkt adpack, weisen darüber hinaus darauf hin, dass damit die Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzrichtlinien jederzeit gewährleistet seien. In einem Prüfbericht vom 9. Juni dieses Jahres bestätigt das auch das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht.

„Anlasslose Informationserhebung mit einer großen Streubreite“

Doch es bleibt dabei: den Konsumenten und Datenschützern ist diese neue Technologie nicht geheuer. Trotz der offensichtlichen Vorteile (Werbespots, die zielgruppenspezifisch ausgespielt und deren Aufmerksamkeitspotenziale gemessen werden können) laufen sie Sturm.

Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage stellte gar Straf- und Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen Verstoßes gegen § 6b BDSG (Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume mit optisch-elektronischen Einrichtungen). Die Kritik richtet sich hier vor allem gegen die theoretische Möglichkeit, dass Kunden über einen Abgleich zwischen dem Zeitstempel der Kameraaufnahmen und den Informationen der Kassensysteme identifiziert werden könnten.

Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen, Helga Block, nannte Face Recognition gar eine „anlasslose Informationserhebung mit einer großen Streubreite.“ (Quelle)

Real,- hat daraus neben der vorzeitigen Beendigung des Pilot-Versuchs noch eine zweite Konsequenz gezogen: Zukünftig solle der Einsatz solcher technologischen Weiterentwicklungen in engerer Abstimmung mit Kundenbeiräten und Fokusgruppen erörtert werden. 

Kunden können den Nutzen nicht nachvollziehen

Wir werden die Diskussion begleiten und beiden Parteien weiterhin den Puls fühlen. Schließlich ist davon auszugehen, dass es zukünftig Weiterentwicklungen geben wird, die auf eine ähnliche Technik aufsetzen. Sollte allerdings der Kundennutzen für die einzelnen Zielgruppen weiterhin nicht nachvollziehbar sein, werden sich diese eher nicht durchsetzen …

Titelbild Quelle: Shutterstock.com/Zapp2Photo

 

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