Individuelle Außenwerbung: KI ermöglicht Motive, die zum jeweiligen Autotyp passen

von Guido Bliss

Bildquelle: Shutterstock/Konstantin Faraktinov

Individuelle Motive für unterschiedliche Autofahrer. In Japan wird nach einer erfolgreichen Testphase momentan ein System installiert, das genau das leistet. Es kann Fahrzeuge auf einer Stadtautobahn erfassen und auf den Fahrzeugtyp und die Marke abgestimmt Werbung über ein digitales Billboard ausspielen.

Ja, bei uns in Deutschland ist Autobahnwerbung – bis auf wenige Werbetürme – nicht erlaubt. Im Folgenden soll es deshalb auch weniger um den Ort, als vielmehr um die technische Möglichkeit, die Künstliche Intelligenz der Außenwerbung zukünftig bietet, gehen. So wie bereits in der Vergangenheit, wollen wir im planus-Blog die technologische Entwicklung begleiten und aufzeigen, was die neuen Ansätze für zukünftige Kampagnen bedeuten könn(t)en.

Erkennen, auswerten, zuordnen, ausspielen – und immer weiter lernen

Bildquelle: Cloudian

Elf Monate dauerte der Test im Tokioter Stadtteil Roppongi, fünf große Unternehmen waren an dem Versuch beteiligt. Die Ergebnisse sind positiv, deshalb wird das System nun fest installiert.

So funktioniert das Ausspielen individueller Werbung an der Autobahn:

  • Eine Allwetter-Kamera erkennt Fahrzeuge, die 800 Meter von ihrem Standpunkt entfernt sind.
  • Das System erhebt Fahrzeugmodell und Fahrgeschwindigkeit. Die Software soll darauf programmiert sein, lediglich diese beiden Werte zu gewinnen. Merkmale von Fahrern oder die Nummernschilder sollen ignoriert bzw. anonymisiert werden.
  • Ein Deep-Learning-Algorithmus vergleicht die so erhobenen Informationen mit einer Datenbank, die vor dem Test mit 23.000 Bildern von Gebrauchtwagen „gefüttert“ wurde. Die Software ist lernfähig und entwickelt sich ständig weiter, um die Erkennungsgenauigkeit sukzessive zu erhöhen.
  • Wenn das System ein Modell auf der Autobahn einem Modell aus der Datenbank zuordnen kann, löst es die jeweils passende Werbung auf dem LED-Bildschirm des Billboards aus. Das Motiv ist dann jeweils für fünf Sekunden sichtbar.

Das bedeutet, der Fahrer eines Toyotas bekommt andere Werbung angezeigt als beispielsweise die Fahrerin eines Audi. Während Reisende in einer neuen Limousine, passend zur Autoklasse, eher Lifestyle-Produkte eingeblendet bekommen, können die Fahrer älterer Fahrzeuge über neue Automodelle oder spezielle Garantieangebote für Gebrauchtwagen informiert werden.

Hintergrund: Gerade die Außenwerbung lässt durch die Einzelselektierbarkeit vieler Werbeträger eine räumlich ausgesteuerte Zielgruppenansprache zu. Dass die Botschaften auf den digitalen Screens auch individuell angepasst werden, verstärkt den Effekt natürlich noch einmal um ein Vielfaches.

Es soll aber nicht nur bei Autos bleiben …

Den Test initiierten fünf Unternehmen aus der Werbe- bzw. IT-Industrie:

  • Dentsu, eine internationale Werbe- und PR-Agentur mit Sitz in Japan
  • Smart Insight, ein auf Datenanalyse spezialisiertes Unternehmen
  • Quanta Cloud Technology sowie Intel, die die Hardware beisteuerten
  • Cloudian, ein Unternehmen, dass sich auf die Speicherung enormer Datenmengen spezialisiert hat

Während das erprobte System jetzt in den Regelbetrieb wechselt, denken die Projektteilnehmer bereits weiter. Denn die Technologie soll nicht nur in der Lage sein, Autos sicher zu erkennen. Auch Kunden in Einkaufszentren könnten – wenn nicht erkannt, so aber zumindest – in verschiedene Zielgruppen gruppiert werden.

Es dürfte somit nur eine Frage der Zeit sein, bis wir das nächste Mal etwas von diesem Projekt hören.

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