Das „Virtual Crash Billboard“ erschreckt Fußgänger in Paris vor sich selbst

von Denis Brosius

Bildquelle: Serviceplan France

Es ist der Klassiker: Montagmorgen, das Aufstehen fiel nach dem schönen Wochenende nicht so leicht und man ist ein bisschen spät dran. Und was passiert auf dem Weg per pedes zur Arbeit, zur Uni oder in den nächsten Supermarkt? Genau, die Ampel springt auf Rot. Kurzer Blick nach links, kurzer Blick nach rechts und schnell noch rüber. Ohrenbetäubendes Reifenquietschen! Und nur ein Gedanke: Nichts wie weg hier!

So erging es im März mehreren Fußgängern in Paris. Sie wurden unfreiwillig zu Stars einer Kommunikationskampagne von Serviceplan France und der französischen Verkehrssicherheitsbehörde (Direction Régionale et Interdépartementale de l'Equipement et l'Aménagement, kurz DRIEA). Ergebnis: eine erschreckend drastische und extrem lehrreiche Lektion in Sachen Verkehrssicherheit.

Schocken, um Fußgänger vor schweren Unfällen im Straßenverkehr zu schützen

Schocken, um zu schützen – so lautet das Credo dieser aufmerksamkeitsstarken Kampagne, die gerade in Frankreich und den sozialen Netzwerken für Diskussionen sorgt. Die Grundaussage ist so banal wie alt: „Geh nicht bei Rot über die Ampel, sonst wird es gefährlich!“.

Um diese Selbstverständlichkeit und die Konsequenzen bei Nichtbeachtung möglichst realistisch in Szene zu setzen, kombinierten die Kreativen das Live-Potenzial eines digitalen City-Light-Posters (CLP) mit einem Bewegungsmelder, einem Lautsprecher sowie einer Fotokamera – und machten es zum „Virtual Crash Billboard“.

Erschrockene Gesichter, weite Sprünge auf den rettenden Bürgersteig – diese Botschaft kam an

An einem Montagmorgen im März installierten die Macher dieses ganz besondere CLP nahe einer viel befahrenen Straße. Eine Filmcrew dokumentierte die aufwendige Aktion. Sie musste nicht lange warten, bis die erste Passantin auf einem Roller das allseits bekannte rote Signal für Stehenbleiben missachtete. Statt auf dem Bürgersteig zu warten, rollte sie auf die Straße. Als sie sich mitten auf der Fahrbahn befand, ertönte ein lautes Reifenquietschen – so als würde gleich ein Auto direkt vor ihr nur knapp zum Stehen kommen. Dabei handelte es sich um ein vorproduziertes Geräusch, das direkt aus dem CLP kam. Mit weit aufgerissenen Augen und einem gewaltigen Satz, „rettete“ sich die Passantin auf die andere Seite des Gehwegs. Den Roller ließ sie erschrocken auf der Straße liegen.

Das „Virtual Crash Billboard“ fotografierte das geschockte Gesicht der Passantin und zeigte es ihr gemeinsam mit der Botschaft „Gehen Sie nicht das Risiko ein, dem Tod ins Auge zu blicken. Achten Sie beim Überqueren der Straße auf die Ampeln!“ Es ist davon auszugehen, dass diese Lektion eine lange Zeit hängen bleiben wird …

Auch die übrigen „Opfer“ zeigten sich völlig baff und erschrocken über die potenzielle Gefahr sowie die eigene Leichtsinnigkeit beim Überqueren der Straße, wie das Video zur Kampagne eindrucksvoll zeigt:

Das Material wird zentraler Bestandteil einer großen Verkehrssicherheitskampagne, die im Mai startet

Weshalb Serviceplan und DRIEA zu solch drastischen Mitteln greifen, um die recht simple Botschaft der Kampagne in den Köpfen der Zielgruppe zu verankern? Weil die Zahlen enorm sind: Mehr als 4.500 Fußgänger kommen pro Jahr in der französischen Hauptstadt zu Schaden. Mit der Kampagne wollen Agentur und Kunde jetzt einen dauerhaften Lerneffekt auslösen.

Die Fotos und Videos der Aktion sollen im Mai zentraler Bestandteil der umfassenden DRIEA-Verkehrssicherheitskampagne „Quinzaine Régionale des Usagers Vulnérables“ werden. Geplant sind Online-Spots, eine Social-Media-Kampagne sowie die Buchung großer Außenwerbeflächen an den Pariser Bahnhöfen.

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