Schockierende Außenwerbung: Netflix verpackt Menschen für „Altered Carbon“

von Guido Bliss

Dass OOH-Medien bei Werbewirkung, Recognition und Verbesserung des Markenimages im Mediamix vorn liegen, zeigen Studien. Dass die Medien der Außenwerbung auch bei Aufmerksamkeitsstärke und Diskussionstiefe in der Bevölkerung ebenso mithalten können, bewies zuletzt der US-amerikanische Streamingdienst Netflix. Die Kampagne zur ersten Staffel der Serie „Altered Carbon“ sorgte nicht nur in Deutschland für jede Menge Diskussionsstoff. Das sah zuletzt auch der Deutsche Werberat so …

Science-Fiction: Der Körper ist nur noch eine Hülle, Charakter und Seele kommen via Chip

Glasvitrine für Netflix Altered Carbon in Berlin
Bildquelle: Twitter @mateschrank

Zur Einordnung: „Altered Carbon“ ist eine Dystopie, die auf dem Roman „Das Unsterblichkeitsprogramm“ des britischen Schriftstellers Richard Morgan basiert. Die Handlung spielt in einer 300 Jahre entfernten Zukunft, in der die Persönlichkeit eines Verstorbenen digitalisiert, auf einem Chip gespeichert und in einen anderen Körper transferiert werden kann.

Kurz: Sterben war gestern. Körper sind nur noch Hüllen.

Und genau diesen Aspekt - also die Reduktion des Körpers als Gefäß für die Seele – stilisiert die flankierende Werbekampagne. Schon die „normalen“ Plakatmotive sind gewöhnungsbedürftig. Sie zeigen nackte Körper erwachsener Menschen in Embryonalstellung. Die liegen nicht etwa im Bett, sondern sind mit einem Beatmungsschlauch versehen und in einer Plastikhülle mit Zip-Verschluss „verpackt“.

Da ist der erste Blick aufs Motiv nichts für schwache Gemüter …

OOH-Sonderumsetzungen in Berlin und Los Angeles sorgen für Diskussionen

Sonderumsetzungen in Berlin und Los Angeles sorgten darüber hinaus für Aufsehen und Diskussionen. Denn diese sind noch ein wenig „krasser“. Das eben beschriebene Motiv wurde dafür noch lebendiger und lebensechter gestaltet:

  • In einer durchsichtigen, mit Flüssigkeit gefüllten Litfaßsäule schwimmt beispielsweise in Berlin, nahe des Potsdamer Platzes, eine lebensgroße, nackte Puppe. Auch sie ist scheinbar intubiert. Passanten werden sich unweigerlich gefragt haben, ob da wirklich ein echter Mensch vor ihnen im Wasser treibt.
  • In West Hollywood haben die Kampagnenmacher das City-Light-Poster einer Bushaltestelle verfremdet. Statt der hinterleuchteten Folie hängt hier die eben beschriebene Plastikhülle im Rahmen – und somit auch der beatmete menschliche Körper. Die Inszenierung ist so perfekt, dass sich der Brustkorb der männlichen Puppe regelmäßig hebt und senkt, so als würde da wirklich ein Mensch verpackt auf seinen nächsten „Einsatz“ warten.

Ein Fernsehteam, das Passanten zu der Aktion befragt, bekam sowohl kritische als auch begeisterte Reaktionen. Während die einen diese Inszenierung aufgrund des realistischen Hintergrunds ziemlich befremdlich finden, sehen andere die Installation als gelungene Street-Art an, die exakt das schafft, was sie erreichen soll: Aufmerksamkeit generieren.

Größtmögliche Aufmerksamkeit fürs Programm – diesmal im Mittelpunkt: ein CLP und eine Litfaßsäule

Bei uns in Deutschland haben die Motive sowie die Sonderumsetzung mit der durchsichtigen Litfaßsäule hingegen dazu geführt, dass mehrere Beschwerden beim Deutschen Werberat eingegangen sind …

Netflix wird das nicht großartig schocken. Hier gehören Provokationen schon länger zur Strategie der einzelnen Kampagnen: Für die Serie „Narcos“ warb der Streamingdienst einmal mit falschem Kokain auf Clubtoiletten. Und ein Motiv zur Bewerbung der Zombie-Comedyserie „Santa Clarita Diet“ zeigte einen Finger, der wie Currywurst angerichtet zum Verzehr vorgesehen war.

Auch mit der Kampagne für „Altered Carbon“ hat Netflix sein Ziel erreicht. Größtmögliche Aufmerksamkeit. Das dabei zwei OOH-Medien im Mittelpunkt standen, beweist deren Potenzial im Mediamix.

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