Weltraumplakate sollen Werbung am Nachthimmel zeigen – auf einer Fläche von bis zu 50 Quadratkilometern

von Peter Herbrand

Bekloppt oder genial? Das „Think Big“-Virus scheint momentan in Russland zu grassieren. Dort hat jetzt ein Start-up (ernsthaft!) angekündigt, im Jahr 2021 leuchtende Weltraumplakate auf den Markt, ähm, ins All zu bringen. Zurückhaltend, ja beinahe verschämt, heißt es dazu auf der Website: „Wir schaffen ein Medium mit einer potenziellen Reichweite von sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten“.

Aha. Also: Licht aus, Plakat an!

Keine Science-Fiction, sondern ein Final Countdown: Im Januar 2021 sollen die ersten Raketen mit Mini-Satelliten abheben

Wie bereits erwähnt: Bei dem Vorhaben handelt es sich weder um eine verrückte Idee noch um Science-Fiction. Denn das Start-up StartRocket wurde im Mai 2018 gegründet und ist in diesem Augenblick dabei, die – im wahrsten Sinne des Wortes – hochfliegenden Pläne konkret umzusetzen. Ziel sei es, das „Orbital Display“ im Januar 2021 mit einer Minimalformation zu starten.

Minimalformation – was soll das heißen? Nun, die von StartRocket am Nachthimmel geplanten riesigen Werbeflächen, die Logos oder Slogans darstellen, werden mittels kleiner Satelliten an das Firmament gestrahlt.

Und das geht so: Mehrere dieser Mini-Satelliten, CubeSat genannt, nutzen ein Segel sowie Sonnenlicht, um Licht Richtung Erde zu senden. Vereinfacht kann sich der geneigte Betrachter dieses Prinzip so vorstellen, als würde jeder CubeSat einen Pixel darstellen. Durch eine Software sollen die kleinen Satelliten so choreografiert werden, dass sie die Werbung von Unternehmen ähnlich einer Sternenkonstellation zeigen.

Hier das offizielle Konzeptvideo:

Außenwerbung in einer Höhe von 400 bis 500 Kilometern auf einer Fläche von rund 7.000 Fußballfeldern

Die CubeSats operieren dabei im niedrigen Erdorbit, dabei soll die jeweilige Botschaft in 400 bis 500 Kilometern Höhe erscheinen – und zwar auf einer Fläche von 50 Quadratkilometern. Zur Einordnung: das ist so groß wie rund siebentausend Fußballfelder. Die Motive sollen drei- bis viermal pro Tag/Nacht für etwa sechs Minuten zu sehen sein.

Klingt nach explodierenden Kosten? „Njet“, sagen da die russischen Gründer. Die Kosten seien vergleichbar denen für Fernsehwerbung. So soll der Tausend-Kontakt-Preis (TKP) zwischen neun und 15 Dollar liegen. StartRocket meint, dass insbesondere Großveranstaltungen geeignet seien, um mit dem „Orbital Display“ Zielgruppen zu erleuchten.

Hinter diesem visionären Konzept steckt übrigens nicht irgendwer, sondern Vlad Sitnikov. Der Kreative ist Partner und Chief Creative Officer einer der führenden Werbeagenturen Russlands - der POSSIBLE Group Moscow, die Sitnikov 2012 an WPP verkaufte.

Die Diskussion zur Lichtverschmutzung und unklare Regulierungen könnten das „Orbital Display“ noch zur Sternschnuppe werden lassen …

Ob das „Orbital Display“ tatsächlich jemals am Nachthimmel erstrahlt, steht übrigens noch in den Sternen. Zu groß scheinen die Hürden:

  • Mal abgesehen von den großen technischen Herausforderungen dieses Projekts, gehen immer Städte und Gemeinden gegen die sogenannte „Lichtverschmutzung“ vor.
  • Studien belegen, dass Helligkeit in der Nacht die Tierwelt sowie die menschliche Gesundheit stören.
  • Deshalb haben eine Reihe verschiedener Länder bereits Lichtschutzgebiete geschaffen und diese als „Dark Sky Reserven“ ausgewiesen.
  • Und überhaupt: Wer reguliert eigentlich den Nachthimmel?

Also: Licht aus, Plakat an. Bekloppt oder genial?

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