Zukunftstechnologie Beacon

von Guido Bliss

Kunden lokalisieren und Produktinformationen direkt auf das Smartphone senden

planus Beacon Technologie
Bildquelle: shopkick Deutschland

Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Kunden in Ihrem Laden lokalisieren und ortsabhängige Angebote oder Produktinformationen direkt auf sein Smartphone senden. Das klingt für Sie nach Science Fiction? Falsch. Denn genau das ist heute bereits möglich. Das Zauberwort heißt Beacon.

Die Idee ist, Geschäfte mit Sendern auszustatten, die den Verbraucher innerhalb einer bestimmten Reichweite mit Informationen versorgen. Diese Mini-Sender nennen sich Beacons und basieren auf der energiesparenden Bluetooth-Version Low Energie (BLE). Sie haben einen sehr geringen Stromverbrauch und verfügen über eine Signal-Reichweite von bis zu 30 Metern. Unsichtbar platziert im Laden, lokalisieren sie den Kunden, sofern

  1. dieser eine geeignete App auf seinem Smartphone installiert hat
  2. die App im Hintergrund geöffnet ist
  3. Bluetooth am Smartphone aktiviert ist
  4. der Kunde dem Empfang von Push-Nachrichten zugestimmt hat (Opt-in)

Sind die genannten Bedingungen erfüllt, erhält der Smartphone-Nutzer automatisch Push-Nachrichten mit gewünschtem Inhalt auf sein Handy. So können Händler ihre Kunden beispielsweise mit ortsabhängigen Angeboten oder individuellen Rabatt-Coupons versorgen. Auch die Navigation durch den jeweiligen Markt lässt sich auf diese Art einfach realisieren. Vorteil für den Kunden: Produkte und Sonderangebote lassen sich einfacher finden – der wöchentliche Einkauf fällt deutlich leichter.

Beacons im täglichen Leben: Beim Shopping, in der Gastronomie, bei Freizeitaktivitäten

In den USA sind Beacons bereits weit verbreitet. Neben großen Marken nutzen zahlreiche Kultur- und Freizeitveranstaltungen die kleinen Transmitter:

  • Apple, Burger King und Starbucks haben ihre Niederlassungen mit den Sendern ausgestattet. Potenzielle Kunden erhalten Benachrichtigungen sobald sie an einer Filiale vorbeikommen - entsprechende Rabatt-Coupons gibt es gleich dazu.
  • In Museen erklären Museumsführer-Apps ein Kunstwerk, vor dem ein Besucher steht. Das macht Audio-Guides oder Führungen überflüssig.
  • In 20 von 30 Baseball-Stadien der Profiliga MLB werden den Fans bessere freie Plätze angeboten – alles vollautomatisch über das Smartphone.

Erste Versuche gibt es auch in Deutschland: Ströer testet den Open Playground und Penny nutzt das Kundenbindungssystem Shopkick

Hierzulande hat Ströer, Spezialist für Außenwerbung, erste Gehversuche mit der neuen Technologie gewagt. Anlässlich der diesjährigen digital marketing exposition & conference (dmexco), der Fachmesse für digitales Marketing & Werbung, rüstete Ströer 35 Werbeträger auf dem Kölner Messegelände mit Beacons aus. Beim Passieren dieser Kontaktpunkte erhielten die Fachbesucher schließlich gezielt Informationen über beginnende Vorträge oder Gutscheine. Bedingung war, dass sie die offizielle dmexco-App installiert und die Bluetooth-Verbindung aktiviert hatten. Ziel der Aktion war die Optimierung des Services sowohl für Besucher als auch für Aussteller der Messe.

Mit dem ersten Open Playground am Düsseldorfer Hauptbahnhof hat Ströer in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn das zweite große Beacon-Testprojekt ins Leben gerufen. Rund 100 Beacons, versteckt in Werbeträgern, decken bis zum Jahresende den gesamten Bahnhof der NRW-Landeshauptstadt inklusive Gleisbereich und Bahnhofsvorplatz ab. Ströer bietet werbetreibenden Unternehmen in dieser Testphase die Möglichkeit, die werbliche Eignung der neuen Technologie im realen Umfeld kostenlos zu testen. Verläuft der Test erfolgreich, sollen bald weitere Großbahnhöfe folgen. Der Düsseldorfer Hauptbahnhof gilt mit täglich etwa 250.000 Reisenden bzw. Besuchern als einer der am stärksten frequentierten Bahnhöfe Deutschlands.

Der Lebensmittelhändler Penny geht sogar noch einen Schritt weiter. Er nutzt zur Kundenbindung seit einigen Wochen die Bonuspunkte-App Shopkick. Diese basiert technisch auf der Beacon-Technologie: Hat der Kunde die App heruntergeladen und aktiviert, bekommt er schon beim Betreten einer der 2.200 Penny-Filialen sogenannte Kicks gutgeschrieben. Die Kicks können dann später gegen einen Einkaufsgutschein eingetauscht werden. Außerdem erhält der Kunde aktuelle Angebote direkt auf sein Smartphone. Neben der Lebensmittelkette wollen auch Douglas, Media-Markt, Saturn, Obi und Karstadt die neue Technik zukünftig nutzen. Als Markenartikelpartner sind Procter & Gamble sowie Henkel zum Start dabei.

planus-Einschätzung: Das Marketing-Potenzial ist zwar groß – aber auch umstritten

Unsere Einschätzung dieser neuen Technologie: Noch sind die Beacons bei vielen Marketing-Experten umstritten. Sie bieten zwar neuartige, interaktive Kommunikationsmöglichkeiten und können unser tägliches Leben in vielerlei Hinsicht erleichtern. Kritiker sehen allerdings Probleme im Zusammenhang mit Datenschutzbestimmungen und der Gefahr einer Werbe- und Informationsüberflutung. Letztendlich wird der Einsatz von Beacons auch durch die vielen Voraussetzungen beschränkt, die der potenzielle Nutzer erfüllen muss, damit ihn eine Botschaft überhaupt erreichen kann.

Sicher ist, dass zahlreiche Anbieter an der stetigen Weiterentwicklung der Technologie arbeiten und sich der Kritikpunkte bereits angenommen haben. Die Zukunft wird zeigen, ob sich der Beacon-Ansatz langfristig in der Werbebranche durchsetzen kann. Momentan erscheinen die Barrieren, die hinderlich für eine schnelle Verbreitung sind, zu hoch, um Beacons in kurzfristige Werbekampagnen zu integrieren.

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